Kaltstart – PEM-Brennstoffzellen bei Frost zuverlässig prüfen

Im Projekt Kaltstart hat das ZBT untersucht, wie sich die Kaltstartfähigkeit von PEM-Brennstoffzellen reproduzierbar prüfen und frostbedingte Schäden an Membran-Elektroden-Einheiten zuverlässig erkennen und bewerten lassen.

Für mobile Brennstoffzellenanwendungen muss ein sicherer Start auch bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt möglich sein. Restwasser in der Zelle kann dabei gefrieren, Gastransportwege blockieren und mechanische Schäden in Gasdiffusionslage (GDL), mikroporöser Schicht (MPL) und Katalysatorschicht verursachen. Bislang fehlen jedoch einheitliche Verfahren, mit denen sich unterschiedliche Materialien und Zellaufbauten unter vergleichbaren Bedingungen bewerten lassen.

Kaltstartbedingungen reproduzierbar nachbilden

Am ZBT wurde eine Prüfmethodik entwickelt, die den gesamten Ablauf vom definierten Ausgangszustand über Spülung und Abkühlung bis zum eigentlichen Kaltstart und zur anschließenden Charakterisierung betrachtet. Untersucht wurden unter anderem Einflussgrößen wie Restfeuchte, Spülgas, Gasfeuchte, Volumenstrom, Minimaltemperatur und unterschiedliche Startstrategien. Eine speziell eingerichtete Testumgebung erlaubt dabei die kontrollierte Temperierung sowie die elektrochemische Charakterisierung mit Strom-Spannungs-Kennlinien, EIS und CV.

In den Versuchen wurden wiederholte Kaltstarts bis −20 °C durchgeführt. Dabei zeigte sich unter anderem, wie entscheidend eine reproduzierbare Spülprozedur für vergleichbare Ausgangsbedingungen ist.

Frostschäden erkennen und Materialien vergleichen

  • Um nicht nur Leistungsverluste, sondern deren Ursachen zu verstehen, wurden elektrochemische Messungen mit umfangreichen Materialanalysen kombiniert. Untersucht wurden unterschiedliche Kombinationen aus CCM und GDL unter anderem hinsichtlich Porenstruktur, Oberflächenbeschaffenheit, Hydrophobizität und chemischer Zusammensetzung.

    Nach wiederholten Kaltstarts zeigten sich Veränderungen der elektrochemischen Performance sowie strukturelle Schäden. Nach bis zu 30 Kaltstartzyklen wurden beispielsweise eine zunehmende Rissausweitung in der Katalysatorschicht und Hinweise auf Veränderungen der Transportstrukturen beobachtet. Aus den Ergebnissen entstand eine Schadensmatrix, die typische Schäden, Mechanismen und funktionale Auswirkungen den jeweiligen Komponenten zuordnet.

Komponenten messen, prüfen und qualifizieren

  • Die im Projekt eingesetzte Kombination aus In-situ-Prüfung und Ex-situ-Materialanalytik gehört zum Mess- und Prüfportfolio des ZBT. Brennstoffzellenkomponenten können elektrochemisch charakterisiert und anschließend gezielt auf Strukturveränderungen und Degradationsmechanismen untersucht werden – beispielsweise mit EIS, CV, Röntgenmikroskopie, REM, XRD oder Kontaktwinkelmessungen.

    So lassen sich Materialien und Komponenten vergleichen, Schadensursachen identifizieren und individuelle Prüfkonzepte für neue MEAs, GDLs, Bipolarplatten oder andere Brennstoffzellenkomponenten entwickeln.

mehr zu unseren Mess- und Prüfverfahren

Grundlage für zukünftige Kaltstartprüfungen

  • Im Projekt wurde keine einzelne universelle Kaltstartprüfung festgelegt: Unterschiedliche Materialien, Temperaturen und Startstrategien können unterschiedliche Schadensmechanismen hervorrufen. Entwickelt wurde deshalb eine methodische Prüfempfehlung, die relevante Prozessschritte, Messgrößen und Schadensbilder systematisch zusammenführt und damit eine Grundlage für künftig standardisierte und normungsfähige Prüfverfahren schafft.

    Die Arbeiten werden seit Juli 2025 im Folgeprojekt OptiCold fortgeführt. Dort stehen die Beurteilung der Kaltstartfähigkeit unterschiedlicher PEMFC-Komponenten und daraus abgeleitete Optimierungsstrategien im Mittelpunkt.

zum Projekt OptiCold

Projektinfos

  • Kurztitel: Kaltstart
  • Projekttitel: Entwicklung eines standardisierten Verfahrens zur Überprüfung der Kaltstartfähigkeit und des Schadensverhaltens von Einzelkomponenten innerhalb von Polymer-Elektrolyt-Membran-Brennstoffzellen
  • Laufzeit: 01.06.2021 bis 31.05.2025
  • Förderprogramm: Industrielle Gemeinschaftsforschung (IGF)
  • Förderkennzeichen: 01IF21806N / 21806 N
  • Forschungsvereinigung: Institut für Umwelt & Energie, Technik & Analytik e. V. (IUTA)
  • Forschungseinrichtung: ZBT – Zentrum für BrennstoffzellenTechnik GmbH
Gefrorene Seifenblase im Gegenlicht - Foto von Aaron Burden auf Unsplash

Ansprechperson

Verena Lukassek
+49 203 7598-2343
Verena Lukassek, Mitarbeiterinnenfoto

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