Ammoniak als Energieträger

Kohlenstofffrei, energiedicht und gut speicherbar: Ammoniak bietet großes Potenzial als Wasserstoffträger für ein klimaneutrales Energiesystem.

Ammoniak (NH₃) gehört zu den weltweit meistproduzierten Chemikalien und wird seit Jahrzehnten großtechnisch hergestellt. Als Verbindung aus Stickstoff und Wasserstoff enthält Ammoniak keinen Kohlenstoff. Gleichzeitig lässt es sich bei moderaten Drücken verflüssigen, speichern und transportieren. Damit eignet sich NH₃ insbesondere für Anwendungen, bei denen große Energiemengen transportiert oder Wasserstoff dezentral bereitgestellt werden sollen.

Am ZBT beschäftigen wir uns insbesondere mit der technischen Nutzung von Ammoniak als Energieträger und Wasserstoffträger. Im Mittelpunkt stehen Ammoniak-Cracking, Reaktor- und Anlagenentwicklung, Katalysatorqualifizierung, Simulation, Automatisierung, Sicherheit und Gasanalytik.

Hohe Energiedichte und einfache Speicherung

Eine Herausforderung der Wasserstoffwirtschaft ist der Transport von Wasserstoff. Ammoniak enthält rund 17,8 Gewichtsprozent Wasserstoff und kann bereits bei etwa 9 bar absolut oder rund minus 33 °C verflüssigt werden. Dadurch lässt sich Wasserstoff chemisch gebunden transportieren und speichern, ohne die hohen Drücke von Druckwasserstoff oder die tiefen Temperaturen von Flüssigwasserstoff.

Am Zielort kann Ammoniak direkt genutzt oder in einem Ammoniak-Cracker wieder in ein wasserstoffreiches Gasgemisch gespalten werden. Genau an dieser Schnittstelle zwischen Ammoniakinfrastruktur und Wasserstoffanwendung setzt die Forschung und Entwicklung des ZBT an.

Ammoniak-Cracking: Wasserstoff bedarfsgerecht erzeugen

Wie muss ein Ammoniak-Cracker ausgelegt sein, wenn eine Anwendung einen bestimmten Wasserstoffstrom, Druck oder Restammoniakgehalt benötigt? Am ZBT betrachten wir dafür Katalysator, Reaktor, Wärmeintegration, Werkstoffe, Regelung und Sicherheit als Gesamtsystem.

Entwickelt wurden unter anderem Cracker-Systeme mit 150 kW Wasserstoffleistung für stationäre und maritime Anwendungen. Für die Binnenschifffahrt entstand beispielsweise eine vollautomatisierte, druckaufgeladene und containerisierbare Anlage für 4,5 kg Wasserstoff pro Stunde bei 8 bar Überdruck.

Teststand für Ammoniak-Craccker in großem Labor

Katalysatoren für Ammoniak-Cracker

Der Katalysator beeinflusst Reaktionstemperatur, Reaktorgröße, Wirkungsgrad und Lebensdauer eines Crackers. Am ZBT untersuchen wir deshalb Katalysatoren unter anwendungsnahen Bedingungen und bewerten Aktivität, Kinetik und Langzeitstabilität.

In einem Projekt wurden Nickel- und Ruthenium-Katalysatoren verglichen. Ein ausgewählter Nickel-Katalysator erreichte bei etwa 500 °C rund 90 Prozent Ammoniakumsatz und zeigte über 1.000 Betriebsstunden einschließlich Temperaturzyklen keine messbaren Aktivitätsverluste.

Reaktorentwicklung und Wärmeintegration

Ammoniak-Cracking benötigt kontinuierlich Wärme. Entscheidend ist daher, diese effizient in die Reaktionszone einzubringen, ohne Katalysator und Werkstoffe thermisch zu überlasten.

Das ZBT entwickelt und bewertet dafür elektrisch und heißgasbeheizte Reaktorkonzepte, Festbettreaktoren, Strömungserhitzer, adiabate Reaktionsstufen und interne Wärmerückgewinnung. Für verschiedene Anwendungen wurden sowohl direkt elektrisch beheizte Festbettreaktoren als auch mehrstufige Konzepte mit Strömungserhitzer und katalytischen Reaktionsstufen entwickelt.

Werkstoffe für heiße NH₃/H₂-Atmosphären

Hohe Temperaturen, Wasserstoff, Ammoniak und Druck können zu Nitridierung, Versprödung, Korrosion und thermischer Ermüdung führen. Die richtige Werkstoffauswahl ist deshalb ein zentraler Bestandteil der Cracker-Entwicklung.

Am ZBT werden Werkstoffe experimentell untersucht und mit thermischer und mechanischer Simulation kombiniert. Bei Untersuchungen unter 750 °C und 10 bar Überdruck zeigte beispielsweise Alloy 600 eine deutlich geringere Nitriertiefe als ein konventioneller Edelstahl. Solche Daten fließen direkt in Materialauswahl und Definition sicherer Betriebsgrenzen ein.

Simulation und digitale Entwicklung

Simulation hilft, Betriebspunkte und kritische Belastungen bereits vor dem Aufbau eines Systems zu identifizieren. Am ZBT kommen dafür Prozessmodelle, dynamische Simulationen, CFD, FEM und Multiphysik-Modelle zum Einsatz.

Damit untersuchen wir unter anderem Temperaturfelder, Druckverluste, Reaktionsverläufe, Startvorgänge und unterschiedliche Anlagenverschaltungen. Bei einer 150-kW-Cracker-Anlage konnten so verschiedene Modulkonfigurationen hinsichtlich Restammoniak, Heizleistung und thermischer Belastung verglichen und optimiert werden.

Sicherheit und Automatisierung

Ammoniak ist toxisch, wasserstoffhaltiges Produktgas brennbar. Sicherheit, Prozessführung und Automatisierung müssen deshalb von Beginn an gemeinsam entwickelt werden.

Am ZBT werden unter anderem Anforderungen aus Druckgeräterichtlinie, Maschinenrichtlinie und ATEX berücksichtigt und über HARA- und HAZOP-Analysen in Sicherheitskonzepte überführt. Umgesetzte Systeme umfassen beispielsweise Stickstoff-Inertisierung, NH₃- und H₂-Gasdetektion, technische Lüftung und mehrstufige Abschaltlogiken.
Auch die Automatisierung komplexer Cracker-Anlagen gehört zur ZBT-Kompetenz. Ein entwickeltes System verarbeitet rund 300 I/O-Signale und automatisiert unter anderem Spülung, Dichtigkeitsprüfung, Vorwärmung und Ammoniak-Anfahren.

Testinfrastruktur für Ammoniak-Technologien

Für Entwicklung und Qualifizierung verfügt das ZBT über spezialisierte Teststände. Ein Multifunktionsteststand ermöglicht Untersuchungen von einzelnen Komponenten bis zu vollständigen Cracker-Systemen im Bereich von 10 bis 150 kW Wasserstoffleistung und bei Drücken bis 11 bar absolut.

Für die Katalysatorentwicklung stehen drei unabhängig betreibbare Integralreaktoren für Temperaturen bis 800 °C, Drücke bis 11 bar absolut und Raumgeschwindigkeiten bis 50.000 h⁻¹ zur Verfügung. Hinzu kommen Online-Gasanalytik und FTIR-Analytik für Ammoniak, Wasserstoff, NOₓ und weitere Gaskomponenten.
Die Ammoniak-Infrastruktur des ZBT umfasst zudem eine Lagerkapazität von 4 Tonnen sowie die gasförmige und flüssige Bereitstellung von Ammoniak mit bis zu 20 bar und 80 kg/h.

Entwicklung von der Komponente bis zum Gesamtsystem

Das ZBT unterstützt Unternehmen und Forschungspartner bei der Entwicklung von Ammoniak-Technologien von der ersten Auslegung bis zum Demonstrator. Dazu gehören:

  • Ammoniak-Cracker und Wasserstofferzeugung aus NH₃
  • Reaktoren, Wärmeübertrager und weitere Komponenten
  • Katalysator-Screening und Langzeitqualifizierung
  • Werkstoffauswahl für Hochtemperaturanwendungen
  • Prozesssimulation, CFD und FEM
  • Scale-up und Systemintegration
  • Automatisierung und Sicherheitstechnik
  • Komponenten-, Prototypen- und Systemtests
  • Gas- und Emissionsanalytik

Damit verbinden wir experimentelle Forschung, Simulation und Anlagenentwicklung, um Ammoniak-Technologien für konkrete Anwendungen technisch weiterzuentwickeln und zu qualifizieren.

Ammoniak-Technologie entwickeln und testen

Ob Cracker, Reaktor, Katalysator oder vollständiges Konversionssystem: Das ZBT unterstützt bei Entwicklung, Auslegung und experimenteller Validierung von Ammoniak-Technologien.

Kontakt

Leiterin Themenfeld Ammoniak

Dr. Lena Engelmeier
+49 203 7598-2340

Ein Auszug aus unseren Projekten

Kontakt

Koordinator CAMPFIRE-Verbund

Jens Wartmann
+49 203 7598-3336
Porträt von Jens Wartmann.

Kontakt

Abteilungsleiter Energieträger und Prozesse

Michael Steffen
+49 203 7598-3033