Duisburg. Schön sind sie nicht, eher etwas klobig. Doch in den Kästen, die am Zentrum für Brennstoffzellen an der Universität Duisburg-Essen entwickelt werden, steckt Zukunft. Unter anderem auch die Zukunft der Automobilindustrie. Denn die setzt auch auf Wasserstoff und Brennstoffzellen, um eine Alternative zu Benzin- und Dieselmotoren etablieren zu können.
Kooperation mit Kanada
„Unser Ziel ist es, eine Technik zu bekommen, die praxistauglich, bezahlbar und effizient ist”, betonte Landeswirtschaftsministerin Christa Thoben in der vergangenen Woche, als sie eine Kooperation zwischen dem Duisburger Zentrum für Brennstoffzelletechnik und dem kanadischen Institut für Brennstoffzellen-Innovation (NRC-IFCI) mit einem Förderbescheid in Höhe von 380 000 Euro
unterstützte.
Das Duisburger Institut, das erst 2001 gegründet wurde, gilt in
diesem Forschungssegment deutschlandweit als führend. Mittlerweile arbeiten dort fast 100 Menschen an der Entwicklung von Brennstoffzellen, die leistungsfähiger als bisher sein sollen, dabei aber weniger kosten. „HiPerLoCo” (High Performance – Low Cost), nennt sich das kurz und knapp.
10 Kilowatt
Bis zum Ende des Projektzeitraums im Dezember 2012 wollen die Duisburger und die Kanadier gemeinsam eine Zelle entwickelt haben, die nicht nur eine Leistungsfähigkeit von 10 Kilowatt hat, sondern auch bei Temperaturen von 120 Grad und höher noch funktioniert. „Zehn Kilowatt, das reicht noch nicht für ein Auto”, erklärt Institutsleiterin Professor Angelika Heinzel. „Aber ein Zweirad wird man damit schon antreiben können”, ergänzt Abteilungsleiter Peter Beckhaus. Auch für andere mobile Anwendungen wie zum Beispiel die Stromversorgung eines Wohnmobils ist die Brennstoffzelle ein geeigneter Energielieferant. Wobei die Zelle selbst nur Wandler und nicht Speicher ist.
Bei der Entwicklung der sogenannten „Stacks”, der Platten innerhalb der Brennstoffzelle, sind die Duisburger weit vorn. Die carpacciodünne Platin-Beschichtung der Platten ist eine Spezialität der Kanadier. „Insofern ergänzen sich die beiden Institute sehr gut”, erklärt Professorin Angelika Heinzel. Dennoch gibt es für die Forscher vom Niederrhein viel zu lernen: „Die Nordamerikaner sind bei der Brennstoffzellenherstellung noch führend”, urteilt Heinzel.
Houston, wir haben ein Problem
Auch wenn die Forschung im Moment auf Siebenmeilenstiefeln fortzuschreiten scheint: Die Brennstoffzelle selbst, das heißt die Umwandlung von Sauerstoff und Wasserstoff in elektrische Energie, ist längst bekannt. Schon 1870 schrieb der Visionär Jules Verne über das Prinzip. Die ersten praktischen Einsätze hatte die Zelle in der US-amerikanischen Raumfahrttechnik der 1960er Jahre. In den Apollo-Mondmissionen diente sie als Energielieferant.
Als im April 1970 an Bord der Apollo 13 eine der Brennstoffzellen explodierte und die Sauerstofftanks entzündete, schien die Katastrophe nah. Bei diesem Vorfall wurde der berühmte Satz „Houston, we have a problem” („Houston, wir haben ein
Problem”) geprägt. Das Thema wird die Region auch in den kommenden Monaten
noch weiter beschäftigen. Im Mai findet in Essen die Weltwasserstoffkonferenz statt. „2010 wird das Jahr der Brennstoffzelle”, formulierte dazu sogar Ministerialdirigentin Dr. Beate Wieland vom nordrhein-westfälischen
Innovationsministerium.